Mitte Dezember 2025 hat Klarna das Agentic Product Protocol veröffentlicht. Der Anspruch ist groß: ein offener Standard, über den KI-Agenten Produkte finden, verstehen und vergleichen können. Klarna bringt dafür den eigenen Katalog aus dem Preisvergleich mit, laut Pressemitteilung mehr als 100 Millionen Produkte und 400 Millionen Preise in 13 Märkten, darunter Deutschland und Österreich. Im Mai 2026 folgte eine Shopping-App in ChatGPT, die auf genau diesen Datenbestand zugreift.
Für Magento-Händler klingt das nach dem nächsten Kanal, den man bedienen muss. Rund um das Protokoll kursieren allerdings einige Missverständnisse: dass ChatGPT damit direkt auf deinen Shop zugreift, dass du eine neue Schnittstelle bauen musst oder dass Agenten darüber gleich einkaufen. Hier trennen wir die Missverständnisse von dem, was du in Magento wirklich tun musst.
Was das Agentic Product Protocol abdeckt und wo es aufhört
Im Kern beschreibt das Protokoll zwei Dinge: Produkte und Angebote. Ein Produkt ist ein eindeutiger Artikel, etwa ein bestimmtes Smartphone in einer bestimmten Speichergröße, mit Marke, Attributen, Bildern, Bewertungen und GTIN. Ein Angebot ist das, was ein Händler für dieses Produkt verlangt: Preis, Lagerstatus, Versandkosten, Lieferzeit, akzeptierte Zahlungsarten. Dazu kommt eine hierarchische Kategorie-Taxonomie. Weil Klarna gleiche Produkte über eine einheitliche ID zusammenführt, bekommt ein Agent pro Artikel eine Liste vergleichbarer Angebote statt dutzender Dubletten.
Beim Vergleich endet das Protokoll allerdings. Es gibt keinen Warenkorb, keinen Checkout, keine Zahlungsabwicklung und keine Kundenauthentifizierung. Die ChatGPT-App von Klarna leitet für den Kauf auf die Händlerseite weiter.
Für die eigentliche Transaktion gibt es andere Standards. Klarna selbst positioniert das Protokoll als Ergänzung zum Agentic Commerce Protocol von OpenAI und Stripe und unterstützt zusätzlich Googles Agent Payments Protocol (AP2) sowie seit Februar 2026 das Universal Commerce Protocol (UCP), das den gesamten Einkauf von der Suche bis zum Service nach dem Kauf abdecken soll. Das Agentic Product Protocol ist in diesem Gefüge die Katalogschicht.
So kommen Magento-Produkte in Klarnas Katalog
Für Händler gibt es laut Klarna zwei Wege. Entweder du implementierst die offene Spezifikation selbst und stellst deine Daten direkt im Protokollformat bereit. Oder du schickst deinen bestehenden Produktfeed an Klarnas gehostete API, die ihn normalisiert und in den Katalog übernimmt. Unterstützt werden unter anderem Feeds im Format von Google Merchant, Facebook Catalog und Shopify sowie CSV und JSON. Kosten für die Platzierung nennt Klarna nicht, die Pressemitteilung spricht ausdrücklich von einem Zugang ohne Werbung und ohne Zwischenhändler.
Für einen typischen Magento-Shop ist der zweite Weg der realistische. Viele Shops erzeugen ohnehin schon einen Google-Shopping-Feed, meist über eine Feed-Extension oder einen eigenen Export. Den kannst du als Ausgangspunkt nehmen.
Beim ersten Weg lohnt ein Blick auf den Status: Das GitHub-Repository der Spezifikation ist seit dem 5. August 2026 archiviert, die letzten Änderungen daran stammen von Oktober 2025. Die Dokumentation und die gehostete API sind weiterhin online und laut Klarna in den USA und der EU produktiv. Warum das Repository eingefroren wurde, hat Klarna nicht öffentlich erklärt. Wir würden deshalb derzeit niemandem raten, die Spezifikation im eigenen Shop nachzubauen. Ein sauberer Feed bringt dich an dieselbe Stelle, und er ist auch für Google Shopping und andere Preisvergleiche nützlich, falls sich die Protokoll-Landschaft weiter verschiebt.
Klarnas Pflichtfelder und die Magento-Tücken
Klarnas Feed-Spezifikation ist überschaubar. Die Tücken liegen weniger in der Liste als darin, wie Magento die Daten intern hält.
| Feld bei Klarna | Pflicht? | Worauf du in Magento achten solltest |
|---|---|---|
| SKU / ID | Pflicht | Bei konfigurierbaren Produkten jede Variante als eigene Zeile mit eigener SKU. |
| Name | Pflicht | Marke, Modell und Variante gehören in den Namen, die wichtigsten Angaben in die ersten 70 Zeichen. |
| Preis | Pflicht | Inklusive Mehrwertsteuer des Ziellandes. Bei Netto-Katalogpreisen muss der Export die Steuer aufschlagen. |
| Lagerstatus | Pflicht | Bei aktivem MSI zählt die verkaufbare Menge, nicht der physische Bestand. |
| URL | Pflicht | Varianten sind meist nicht einzeln sichtbar, der Link führt dann auf das Elternprodukt ohne Vorauswahl. |
| Bild-URL | Pflicht | Statische URL. Magentos Cache-Pfade ändern sich, wenn sich die Bildparameter im Theme ändern. |
| Kategorie | Pflicht | Vollständiger Pfad mit „ > ” als Trenner, bei Mehrfachzuordnung eine Hauptkategorie wählen. |
| Versandkosten, Lieferzeit | Empfohlen | Lieferzeit ist in Magento kein Standardattribut und muss oft erst angelegt werden. |
| Hersteller, MPN, EAN/GTIN | Empfohlen | Ohne GTIN kann Klarna dein Angebot schlechter einem Produkt zuordnen. |
| Zustand, Beschreibung | Empfohlen | Beschreibung mit konkreten Eigenschaften, nicht mit Werbetext. |
Drei davon machen in der Praxis regelmäßig Ärger.
Preise. In Deutschland und Österreich pflegen viele B2C-Shops Bruttopreise, B2B-lastige Installationen dagegen häufig netto. Welche Variante bei dir aktiv ist, steht unter Stores → Configuration → Sales → Tax → Calculation Settings → Catalog Prices. Klarna verlangt den Preis inklusive Mehrwertsteuer, und zwar für das jeweilige Land: 19 % in Deutschland, 20 % in Österreich. Wer in beide Märkte liefert, braucht also getrennte Feeds. Stimmt der Feed nicht mit dem Preis überein, den der Kunde nach der Weiterleitung im Shop sieht, ist der Klick verschenkt. Reine B2B-Shops mit Nettoanzeige passen deshalb ohnehin schlecht zu einem Verbraucher-Preisvergleich.
Bestand. Seit Magento 2.3 unterscheidet Multi-Source Inventory zwischen der physischen Menge und der verkaufbaren Menge, von der offene Bestellungen bereits abgezogen sind. Ältere Feed-Exporte lesen gerne nur die physische Menge aus. Dann gilt ein Artikel im Feed als lieferbar, obwohl er im Shop längst vergriffen ist. Klarna selbst aktualisiert Preise und Lagerstatus laut Doku mit einer Mischung aus Echtzeit- und geplanten Updates. Eine Verzögerung ist also im System angelegt, und ein häufig laufender Export verkürzt sie.
Bilder. Magento liefert skalierte Produktbilder aus einem Cache-Pfad mit Hash aus, der aus den Bildparametern berechnet wird. Ändern sich diese, etwa bei einem Theme-Wechsel, bekommen alle Bilder neue URLs. Spätestens nach dem Leeren des Bild-Caches sind die alten weg. Klarna möchte ausdrücklich statische URLs. Für den Feed ist deshalb der Pfad zum Originalbild die robustere Wahl.
Datenqualität: Was Agenten mit deinen Produktdaten anfangen
Ein Agent, der für seinen Nutzer „eine Regenjacke unter 200 Euro, wasserdicht, in Größe M lieferbar” sucht, filtert nach Attributen. Werbetexte helfen ihm dabei nicht. „Unvergleichlicher Tragekomfort bei jedem Wetter” beantwortet keine seiner Fragen, „Wassersäule 20.000 mm, Gewicht 380 g, Größen S bis XXL” beantwortet drei. Wie viel Auswahl Konsumenten dabei inzwischen abgeben, zeigt eine Skai-Umfrage vom März 2026 unter 1.000 US-Verbrauchern: 82 % finden es in Ordnung, wenn eine KI ihnen eine Vorauswahl zusammenstellt, 85 % lassen die KI recherchieren. Deutlich vorsichtiger sind sie beim eigentlichen Kauf. Nur 47 % wären mit einem Agenten einverstanden, der innerhalb festgelegter Regeln selbst bestellt.
Für den Feed heißt das: Attribute, die im Shop als Filter funktionieren, gehören auch in die Beschreibung und, wo das Format es erlaubt, in eigene Felder. Material, Maße, Gewicht, Kompatibilität, Zertifizierungen. Bei technischen Artikeln ist die Hersteller-Artikelnummer oft das Einzige, wonach ein Profi-Einkäufer überhaupt sucht.
Das Klarna-Protokoll ist dabei nur ein Weg, über den Agenten an Produktdaten kommen. Agenten, die Shopseiten direkt lesen, werten strukturierte Daten nach Schema.org aus. Das ist ein separates Thema, das mit dem Klarna-Feed nichts zu tun hat, aber aus denselben Stammdaten gespeist wird. Welche Felder dort zählen und wie du sie sauber aus Magento ausspielst, haben wir in einem eigenen Beitrag über strukturierte Datenformate für KI-Preisvergleiche beschrieben.
Wie groß das Thema wirklich ist
McKinsey schätzt, dass Agentic Commerce bis 2030 weltweit Umsätze von 3 bis 5 Billionen US-Dollar steuern könnte, davon bis zu 1 Billion im US-Einzelhandel. Die Spanne ist breit. Nutzungsdaten zeigen aber in dieselbe Richtung. In der erwähnten Skai-Umfrage nutzen 44 % der Gen Z KI für Preisvergleiche, bei den Boomern sind es 30 %. 29 % der Gen Z haben schon einmal direkt über die Shopping-Funktion von ChatGPT gekauft.
Beim Umsatzeffekt ist Vorsicht angebracht. Die gern zitierten „bis zu 20 % mehr Conversion” durch KI-Einkaufsassistenten gehen auf ein einzelnes Lifestyle-Unternehmen zurück, das McKinsey als Beispiel nennt. Als Planungsgröße für den eigenen Shop taugt das nicht.
Gut begründen lässt sich dagegen etwas anderes. Ein vollständiger, korrekter Produktfeed ist eine der wenigen Maßnahmen im Agentic-Commerce-Umfeld, die heute überschaubar kostet und unabhängig davon nützt, welches Protokoll sich am Ende durchsetzt. Google Shopping, Preisvergleiche und Klarna lesen im Wesentlichen dieselben Daten. Ob sich darüber hinaus schon ein eigenes Agenten-Projekt lohnt, haben wir im Beitrag First Mover oder Fast Follower abgewogen.
Was du als nächstes tun kannst
Wenn du wissen willst, ob dein Magento-Shop für Klarna und andere Agenten-Kanäle bereit ist, gibt es zwei pragmatische erste Schritte:
- Feed-Stichprobe: Nimm deinen aktuellen Google-Shopping-Feed und vergleiche zehn zufällige Artikel mit dem Shop: Preis inklusive Steuer, verkaufbarer Bestand, Varianten-URL, GTIN. Jede Abweichung, die du dort findest, sieht auch ein Agent.
- Feed- und Datenaudit mit uns: Wir prüfen Produktdaten, Feed-Export und Schnittstellen deines Magento-Shops und zeigen, welche Lücken du zuerst schließen solltest. Kontakt: office@copex.io oder Audit anfragen.
Verwandte Themen aus unserem Blog: Strukturierte Datenformate für KI-Preisvergleiche, GraphQL als Anbindung für Agentic Commerce, First Mover oder Fast Follower.
Und falls du beim Stichprobenvergleich feststellst, dass dein Feed seit dem letzten Theme-Update und dem Leeren des Bild-Caches auf Bilder zeigt, die es nicht mehr gibt: Damit bist du nicht allein.
Quellen / Weiterlesen
- klarna.com — Klarna launches Agentic Product Protocol (15. Dezember 2025)
- klarna.com — Introducing Klarna’s Agentic Product Protocol
- docs.klarna.com — Klarna Agentic Product Protocol
- docs.klarna.com — Basic product data für Klarna Search & Compare
- github.com — klarna-incubator/agentic-product-protocol (archiviert)
- klarna.com — Klarna backs Google’s Universal Commerce Protocol (2. Februar 2026)
- investors.klarna.com — Klarna launches AI-powered Shopping Search app in ChatGPT (20. Mai 2026)
- mediapost.com — Gen Z leading AI-agent shopping (Skai-Umfrage, März 2026)
- digitalcommerce360.com — McKinsey forecasts up to $5 trillion in agentic commerce sales by 2030
- shopify.com — AI personal shopper (McKinsey-Beispiel zur Conversion)




