In gut zwei Wochen, am 27. September 2026, muss in jedem Shop, der bewegliche Waren an Verbraucher verkauft, das harmonisierte Gewährleistungslabel sichtbar sein. Für Produkte mit einer langen Herstellergarantie kommt das GARAN-Label dazu. Beide sind keine frei gestaltbaren Hinweise, sondern normierte Grafiken aus der Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960, zu der die Kommission eine gut 40-seitige Anleitung veröffentlicht hat.
In Magento ist davon nichts vorbereitet. Weder Magento Open Source noch Adobe Commerce haben zum Thema bisher etwas angekündigt. Die Arbeit liegt vollständig beim Shopbetreiber.
Dieser Artikel fasst zusammen, was tatsächlich verlangt wird, und zeigt, wie die Umsetzung in Magento 2 und Hyvä aussieht.
Gewährleistungslabel und GARAN-Label: der Unterschied
Die Pflicht kommt aus der Richtlinie (EU) 2024/825 zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel. Österreich hat sie mit dem Verbraucherrechts-Änderungsgesetz 2026 umgesetzt, konkret in § 4 Abs 1 Z 12 und 12a FAGG für den Onlinehandel und § 5a Abs 1 Z 5 und 5a KSchG für das Ladengeschäft. In Deutschland stehen die Vorgaben in Art. 246 und 246a EGBGB.
Wie die Labels aussehen, regelt dagegen eine unmittelbar geltende Durchführungsverordnung. Die Grafik ist in Linz, Hamburg und Lissabon dieselbe.
| Kriterium | Gewährleistungslabel | GARAN-Label |
|---|---|---|
| Betrifft | Gewährleistungslabeljede bewegliche Ware an Verbraucher | GARAN-Labelnur Produkte mit qualifizierender Herstellergarantie |
| Auslöser | Gewährleistungslabelimmer | GARAN-Labelkostenlose Garantie von mehr als 2 Jahren auf die gesamte Ware |
| Editierbar | Gewährleistungslabelnichts | GARAN-LabelMarke, Modellkennung, Dauer |
| Ort im Shop | Gewährleistungslabelprominent vor der Bestellung | GARAN-Labelproduktbezogen auf der Produktdetailseite |
| Zusätzlich empfohlen | GewährleistungslabelBestellbestätigung | GARAN-LabelCheckout und Bestellbestätigung |
| Farbe im Shop | Gewährleistungslabelfarbige Fassung | GARAN-Labelfarbige Fassung |
Das Gewährleistungslabel informiert über das gesetzliche Recht bei mangelhafter Ware. Der Text darauf ist fix, auch der Hinweis, dass bei gebrauchten Waren ein kürzerer Zeitraum gelten kann, aber nie weniger als ein Jahr. Wer die Frist bei Gebrauchtware zulässig auf ein Jahr verkürzt, zeigt trotzdem dieselbe unveränderte Grafik.
Das GARAN-Label ist das Gegenstück für die freiwillige Haltbarkeitsgarantie des Herstellers. Es greift nur, wenn die Garantie kostenlos ist, die gesamte Ware erfasst und länger als zwei Jahre läuft. Eine kostenpflichtige Garantieverlängerung qualifiziert nicht, eine Garantie nur auf den Akku oder auf Durchrostung ebenfalls nicht.
Welche Magento-Shops betroffen sind
Betroffen ist jeder Shop, der bewegliche Waren an Verbraucher verkauft. Größe, Rechtsform und Umsatz spielen keine Rolle. Das gilt auch für angebundene Marktplätze: Auf Amazon, eBay oder Etsy ist der Händler rechtlich verantwortlich, selbst wenn die Plattform die Darstellung technisch noch nicht anbietet.
Nicht betroffen sind reine B2B-Shops ohne Verkauf an Verbraucher, rein digitale Inhalte und Dienstleistungen sowie Websites ohne Bestellfunktion. Das Wort „rein” ist hier entscheidend. Ein B2B-Shop mit aktivierter Gastbestellung für Privatkunden fällt in den Anwendungsbereich, und Waren mit digitalen Elementen wie vernetzte Geräte oder Maschinen mit Steuerungssoftware sind ohnehin vollständig erfasst.
Was die EU vorgibt
Das Label ist kein Icon, das man ins Theme-Design einpasst. Die Leitlinien sind an dieser Stelle ungewöhnlich deutlich: keine Farbänderungen, keine Filter, keine Effekte, keine veränderten Abstände, kein Zuschneiden, kein Skalieren außerhalb der Proportionen, keine zusätzlichen Elemente. Der QR-Code darf weder verschoben noch in der Größe verändert werden und soll nie kleiner als zwei mal zwei Zentimeter sein.
Die Dateien holt man sich direkt bei der Kommission, kostenlos, in allen 24 Amtssprachen, als SVG, PNG, JPG und PDF. Für den Onlineshop die RGB-Fassung, für Print die CMYK-Fassung. Selbst nachbauen ist ausdrücklich nicht vorgesehen, und bei der Schrift gibt es auch nichts zu entscheiden: Inter in Regular, SemiBold und ExtraBold.
Maßgeblich ist die Sprache des Verkaufsauftritts, nicht das Lieferland. Für Magento heißt das: eine Labelfassung pro Store View. Ein deutschsprachiger Store View, der nach Italien liefert, zeigt das deutsche Label.
Ein Detail geht in den meisten Ratgebern unter: Neben der Grafik soll immer ein klickbarer Link auf dasselbe Ziel wie der QR-Code stehen. Für die deutsche Sprachfassung ist das europa.eu/youreurope/garantien. Wer nur das Bild einbaut, hat die Leitlinien nur halb umgesetzt.
Beim GARAN-Label trägst du genau drei Werte ein: Herstellermarke, Modellkennung und Garantiedauer. Die Dauer akzeptiert dabei ganze Jahre oder halbe, also 3 oder 4,5, mit Dezimalkomma. Andere Nachkommastellen sind nicht erlaubt.
Wo sich die Quellen widersprechen
An einem Punkt widersprechen sich die Ratgeber, und das sollte man wissen, bevor man eine Entscheidung trifft.
Die Leitlinien der Kommission zeigen für das Gewährleistungslabel ausdrücklich Beispiele, bei denen ein Satz wie „Deine gesetzlichen Gewährleistungsrechte” im Header, auf der Kategorieseite oder im Checkout steht und das Label erst beim ersten Klick oder Rollover aufgeht. Die Münchner IT-Recht Kanzlei liest die Rechtslage strenger und hält in ihrer FAQ zum Thema eine verlinkte oder erst bei Mouseover sichtbare Darstellung des Gewährleistungslabels ausdrücklich für abmahnfähig.
Die Leitlinien der Kommission sind nicht bindend, die Verordnung ist es. Rechtsprechung gibt es noch keine, der Stichtag liegt ja erst vor uns. Wir setzen deshalb bei Kundenshops die konservative Variante um: Gewährleistungslabel direkt als Grafik, geschachtelt nur das GARAN-Label, für das die Verordnung diese Form selbst vorsieht. Das kostet ein bisschen Layout-Diskussion und erspart die Frage, welcher Auslegung ein Gericht 2027 folgt.
GARAN-Label in Magento 2 umsetzen: die fünf Bausteine
1. Die Grafik
Das Gewährleistungslabel ist eine feste Datei je Shop-Sprache. Sie wird eingebunden, mit dem geforderten Link daneben. Das ist der unkomplizierte Teil.
2. Die Produktdaten
Für das GARAN-Label braucht jedes betroffene Produkt drei neue Felder: Herstellermarke, Modellkennung und Garantiedauer. Bei Produkten mit Varianten hängen die Werte an der einzelnen Variante und nicht am Hauptprodukt, weil sich die Modellkennung je Größe oder Farbe unterscheiden kann. Und die Modellkennung ist die Kennung des Herstellers, nicht deine interne Artikelnummer.
3. Die Produktseite
Das Label erscheint beim Produkt, entweder direkt sichtbar oder als kleine Kachel, die sich per Klick zum vollständigen Label öffnet. Beides ist erlaubt. Wichtig ist, dass es am Smartphone genauso funktioniert wie am Desktop und dass es sich per Tastatur und mit einem Screenreader bedienen lässt. Damit hängt die Label-Pflicht direkt am European Accessibility Act, der seit Juni 2025 gilt.
4. Der Checkout
Beide Labels sollen laut Leitlinien unmittelbar vor dem Bestellabschluss zu sehen sein. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist in der Praxis aber meist der aufwendigste Punkt, weil kaum ein produktiver Shop den Standard-Checkout unverändert betreibt.
5. Sprachen und Bestellbestätigung
Jede Shop-Sprache braucht ihre eigene Labelfassung. Dazu empfehlen die Leitlinien beide Labels auch in der Bestellbestätigung, dort am besten als PDF-Anhang, weil Mail-Programme eingebettete Bilder standardmäßig blockieren.
Fertiges Modul oder eigene Umsetzung?
Für Magento 2 kursieren erste Community-Module, die Labelbilder ausgeben. Sie lösen Baustein 1 und in Ansätzen Baustein 3. Individuell bleibt der Rest: der Checkout, weil kaum ein produktiver Magento-Shop den Standard-Checkout unverändert fährt. Die Varianten-Logik, weil die Modellkennung an der einzelnen Variante hängt und nicht am Hauptprodukt. Und die Datenzufuhr, weil kein Modul wissen kann, welcher deiner Artikel eine qualifizierende Garantie hat.
Als Startpunkt taugt so ein Modul also. Wer eine bestehende Modulstruktur hat, setzt die Labels aber besser als eigenes, versionierbares Modul um, statt Snippets ins Theme zu kopieren, die beim nächsten Upgrade verschwinden.
Der größte Aufwand steckt in den Produktdaten
Die Frage, die Shops unterschätzen, ist nicht „Wie binde ich ein SVG ein?”. Sie lautet: Welche meiner Produkte haben überhaupt eine qualifizierende Herstellergarantie, und woher weiß ich das?
Diese Information steht in Herstellerkatalogen, in PDF-Garantiebedingungen, in ERP-Feldern, die bisher niemand gepflegt hat, oder nirgends. Für einen Katalog mit 8.000 Artikeln ist das kein Shop-Thema, sondern ein Stammdaten-Thema. Und es bleibt eines: Jedes neue Produkt, jeder Lieferantenwechsel, jede verlängerte Herstellergarantie ändert den Bestand.
Vor der Umsetzung sollte deshalb geklärt sein, woher die Garantiedaten kommen, über welchen Weg sie nach Magento gelangen, sei es über das bestehende Import- oder ERP-Mapping oder einen eigenen Endpoint, und wer sie danach pflegt. Ohne verantwortliche Rolle veraltet der Bestand innerhalb eines Jahres.
Was passiert, wenn das Label im Shop fehlt
Ein fehlendes oder falsch dargestelltes Label ist ein Verstoß gegen Verbraucherschutzrecht und damit eine unlautere Geschäftspraktik. In Österreich greifen Unterlassungsansprüche nach dem UWG. Klagen können Mitbewerber, der Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb, die Wirtschaftskammer, die Arbeiterkammer und der VKI. Seit der Verbandsklage-Reform können Verbraucherschutzeinrichtungen im kollektiven Interesse zusätzlich auf Abhilfe klagen. In Deutschland kommt das klassische Abmahnwesen dazu, das bei neuen Kennzeichnungspflichten erfahrungsgemäß in den ersten Wochen nach dem Stichtag aktiv wird.
Die Fehler, die dabei aufschlagen dürften, sind absehbar:
- Schwarz-Weiß-Fassung im Onlineshop statt der farbigen
- Label nur im Default-Store-View eines mehrsprachigen Setups
- Grafik eingebaut, den Link auf die Your-Europe-Seite vergessen
- GARAN-Label nur im Checkout statt auch auf der Produktdetailseite
- falsche oder fehlende Modellkennung im personalisierten Label
- Label gesetzt, Garantiebedingungen nicht hinterlegt
GARAN-Label für deinen Magento-Shop: so setzen wir das um
Wir entwickeln bei CopeX seit Jahren Compliance-Funktionen für Magento, vom EU-Widerrufs-Button über die Niedrigstpreis-Anzeige nach EU-Omnibus bis zu den DSGVO-Löschroutinen. Das GARAN-Label läuft nach demselben Muster ab.
Schritt 1 — Sichtung. Wir schauen uns Magento-Version, Theme, Checkout-Variante, Store-View-Struktur und Katalog an und klären die entscheidende Frage: Welcher Anteil des Sortiments hat überhaupt eine qualifizierende Herstellergarantie? Daraus ergibt sich, ob das ein Zwei-Tage-Thema ist oder ein Stammdatenprojekt.
Schritt 2 — Basis zuerst. Das Gewährleistungslabel betrifft das gesamte Sortiment und ist ohne Datenarbeit umsetzbar. Es geht zuerst live, samt Link, in allen Store-View-Sprachen, barrierefrei ausgezeichnet.
Schritt 3 — GARAN nachziehen. Die drei Felder anlegen, an den bestehenden Import anbinden, Produktseite, Checkout und Bestellbestätigung, Garantiebedingungen verlinken. Wenn die Garantiedaten noch nicht existieren, priorisieren wir nach Umsatz: Top-Artikel zuerst, der Rest strukturiert hinterher.
Schritt 4 — Abnahme mit Nachweis. Screenshot-Protokoll pro Template und Store View, Prüfung auf Mobilgerät, Tastaturtest, QR-Scan-Test. Das ist die Dokumentation, die du brauchst, wenn jemand fragt.
Am Ende sitzt die Umsetzung dort, wo sie hingehört: in einem eigenen Magento-Modul mit eigenen Attributen, das Upgrades überlebt und das deine laufende Betreuung mitträgt.
Verwandte Themen aus unserem Blog: EU-Widerrufs-Button für Magento-Shops, Barrierefreiheit nach dem European Accessibility Act, Cookie-Einwilligung nach dem EuGH-Urteil.
Quellen und Weiterlesen
- Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960 — verbindliche Vorgaben für beide Labels, Anhänge I und II
- Praktische Leitlinien und Vektordateien der EU-Kommission — Gestaltung, Platzierung, Downloads in allen 24 Amtssprachen
- WKO: Informationspflichten zu Garantien und Gewährleistung — österreichische Fundstellen in FAGG und KSchG
- IT-Recht Kanzlei: FAQ zum Gewährleistungs- und Garantielabel — strengere Auslegung zur Darstellung im Shop




